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Der Skribent - Aktuelles aus Pappenheim

Donnerstag
25.Mai 2017
Wenn Steine sprechen .... PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Pappenheimer Skribent   
Donnerstag, 3. Oktober 2013

ImageMit einem Festakt hat der Heimat- und Geschichtsverein Pappenheim und Ortsteile e.V. kürzlich im Europäischen Haus Pappenheim den ersten Band zur Dokumentation des jüdischen Lebens in Pappenheim herausgegeben.
Im voll besetzten Saal des Europäischen Hauses begrüßte Hausherr Professor Dr. Joachim Grzega die Gäste und freute sich über darüber, dass der Heimat- und Geschichtsverein das EHP ausgewählt hat um hier im Rahmen des europäischen Tages der jüdischen Geschichte die erste Broschüre zu diesem Thema vorzustellen.
ImageRenate Prusakow bedankte sich über die hervorragende Zusammenarbeit mit dem EHP-Team und freute sich, dass mit Bürgermeister Uwe Sinn, dem Leiter der hiesigen Volksbank Michael Stadelbauer und die Vertreterin der Bezirksheimatpflegerin Julia Krieger die Vertreter der Hauptsponsoren der geschichtlichen Dokumentation begrüßen konnte. Unter den Gästen befanden sich auch Gräfin Ursula zu Pappenheim und Ehrenbürger Hans Navratil und einige Stadträtinnen und Stadträte.

Das sprachkulturelle Erbe
In einem sehr interessanten und kurzweiligen Vortrag, präsentierte der Sprachwissenschaftler Dr. Joachim Grzega zunächst Bedeutung und Unterschied des Wortstammes jüdisch und israelitisch und leitete zu den Sprachbegriffen hebräisch und jiddisch über. Bei seinem Vortrag konnte Grzega deutlich machen, dass es viele Redewendungen gibt, die aus dem Jiddischen in unserem täglichen Sprachgebrauch Einzug gehalten haben.
“tohu wa bohu” ‘wüst und leer’ (aus der Bibel) und “Hals- und Beinbruch!”, das eigentlich aus dem  jiddischen “hazloche u broche” ‘Glück und Segen’ stammt.
Spezifische Pappenheimer oder fränkische Hebraismen und Jiddismen hatte Grzega bei seinen Recherchen nicht mit Sicherheit finden können. Hier gäbe es noch Forschungsarbeit zu leisten.
Bei einigen fränkischen Wörtern, deren Ursprung noch nicht ausreichend geklärt sei, könnte gemäß Grzega eine jiddische Herkunft in Betracht kommen. So bestehe bei dem Wort “Sell?” ‘Wirklich?’ möglicherweise ein Zusammenhang mit dem jiddischen “śelo”, das am Ende von Psalmen gesprochen wird.

ImageGrundlage der Stadtgeschichte
Schon seit seiner Gründung beschäftigt sich der Heimat-& Geschichtsverein mit der frühesten Entstehung- und Entwicklungsgeschichte in der Stadt Pappenheim. Schon bei den ersten Betrachtungen wurde dabei deutlich, dass es den Ort Pappenheim in seiner heutigen Form und Bedeutung ohne die jüdische Bevölkerung nicht geben würde. Schnell wurde auch klar, dass es in Pappenheim eine der ältesten jüdischen Gemeinden Deutschland gab.

Diese Erkenntnisse waren es dem Verein wert, sich der Aufarbeitung und Dokumentation der jüdischen Geschichte in Pappenheim mit ganzer Kraft zu widmen. Dabei kam es der Ersten Vorsitzenden Renate Prusakow darauf an, diese Dokumentation in einer für jedermann erreichbaren und verständlichen Form darzustellen.
In einer ganz brillanten Art und Weise ist dies dem Stadtarchivar und Gründungsmitglied des HGV  Stephan Reuthner, gelungen. Er hat in Archiven gegraben, Wissenschaftler und Zeitzeugen befragt, und aus den Fakten den ersten Band über die Geschichte und Bedeutung der jüdischen Bevölkerung in Pappenheim geschaffen.

„Nein, es ist nicht möglich, diese Sache mit den Juden endlich ruhen zu lassen,“ heißt es im Vorwort des Herausgebers. Im Rahmen des Festaktes im EHP stellte Stephan Reuthner auch deutlich heraus aus welchen Gründen die Dokumentation zu diesem Thema wichtig ist – und zwar jetzt.

„Die Anzahl der Zeitzeugen, die sich erinnern können, wie die Pappenheimer bei Schimmels einkauften oder sich bei Gutmann einen Konfirmationsanzug haben schneidern lassen, ist inzwischen verschwindend gering,“ heißt es in der Broschüre.
ImageVon lückenhaft bis grundlegend falsch seien zahlreiche Publikationen über die jüdischen Friedhöfe und die Synagoge in Pappenheim. „Was da teilweise geschrieben steht, hält einer Überprüfung nicht stand“ erklärte Stephan Reuthner bei seiner Vorstellung der Broschüre und hatte dafür auch gleich das Beispiel einer aktuellen Internetpublikation parat, das er mit klaren Fakten eindrucksvoll widerlegen konnte.
Nicht zuletzt gehe es auch darum, Erkenntnisse aus wissenschaftliche Dokumentationen wie beispielsweise die Dissertation von Till Strobel, als gesichert anzusehendes Wissen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich und bekannt zu machen.
In der Broschüre des Heimat- und Geschichtsvereins Pappenheim „finden Sie mehr Erkenntnisse vereint als sie bisher überall anders lesen können, “ versichert Reuthner.  
Dem ersten Band sollen weitere Werke unter der Federführung des Heimat- & Geschichtsvereins folgen. Weitere Ziele sind die Dokumentation der noch vorhandenen Grabsteine auf den beiden jüdischen Friedhöfen. Die Grabsteine sind bereits professionell per GPS vermessen und auf einem Plan dargestellt. Das  Ehepaar Ruth und Aaron Bruck aus Jerusalem haben die hebräischen Inschriften auf den Grabsteinen nach diesem Plan katalogisiert und zu Papier gebracht. Derzeit ist die Übersetzung dieser Inschriften in Vorbereitung.
Viele Umstände gibt es, die nach Reuthners Ausführungen noch der Aufklärung bedürfen, wie etwa der Verbleib der zahlreichen jüdischen Gebetbücher, die beim Dachausbau der ehemaligen Synagoge in den 1980er Jahren in großer Zahl gefunden der Stadt Pappenheim übergeben wurden.

Die Broschüre ist zum Preis von 9,90 Euro erhältlich
Bei Schreibwaren Windisch Deisingerstraße
In der Touristinformation Pappenheim

Das Gelingen der Broschüre haben unterstützt ....

131004_juedisch_broschuere 05.jpg  Bezirk Mittelfranken, vertreten durch Fau Julia Krieger

Foto Adamina Mulder

131004_juedisch_brosch-08.jpg

 

Polizeiorchester Bayern

Foto Adamina Mulder

131004_juedisch_broschuere-.jpg

Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte e.G vertreten durch Michael Stadelbauer

Foto Adamina Mulder

131004_juedisch_brosch-07.jpg

Stadt Pappenheim vertreten durch 1. Bürgermeister Uwe Sinn

Foto Adamina Mulder











 
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