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Der Skribent - Aktuelles aus Pappenheim

Donnerstag
17.Aug 2017
Ein Pappenheimer mit Weltruf PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Renate Prusakow   
Dienstag, 24. März 2009

ImageNorbert Schwarz vom Internationalen Forum Historische Bürowelt (IFHB) hat kürzlich beim historischen Stammtisch des Heimat- und Geschichtsvereins einen Pappenheimer mit Weltruf vorgestellt, der bisher weitgehend unbekannt war, den aber einige Zeitzeugen noch kannten.
Johannes Meyer, den einige Pappenheimer noch unter seinem Spitznamen „Gochs Meyer“ kannten, hatte der Heimat und Geschichtsverein Pappenheim und Ortsteile e.V. in einem historischen Stammtisch zum Thema gemacht. Wie der Referent Norbert Schwarz vom Internationalen Forum Historische Bürowelt (IFHB) deutlich machen konnte, hat Johannes Meyer von 1922 bis zu seinem Tode im Jahre 1949 in Pappenheim gewirkt.
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Historisches Wunderwerk der Technik
In mehr als zehn Werken hat er umfangreiche Beschreibungen über die Schreibmaschine und sonstige Büromaschinen verfasst, die weltweit Anerkennung gefunden haben. Heute mag es unglaubwürdig, veraltet und damit eben geschichtlich klingen, wenn ein Mann zu ehren kommen soll, der „nur“ Büromaschinen beschrieben hat.
Aber die Erfindung und Entwicklung der Schreibmaschine, die fast das gesamte 19. Jahrhundert vor allem in Frankreich, England und in Amerika betrieben wurde war eine bahnbrechende Erleichterung im Verwaltungsbereich und in der Wirtschaftswelt, die mit der Einführung der EDV vergleichbar ist. Dabei war es damals gar nicht einfach, eine Schreibmaschine zu bedienen. So wusste Norbert Schwarz zu berichten, dass nur speziell geschulte Frauen diese Maschinen bedienen durften. Verbunden damit war der Zugang der Frauen zur Berufswelt, die bis dato den Männern vorbehalten war. 

Die erste industriell hergestellte Schreibmaschine begann ihre Entwicklung im Jahre 1714 und kam erst 1874 auf den Markt. Bekannt sind 94 verschiedene Erfindungen von Schreibmaschinen, wobei die meisten aber in der Bedeutungslosigkeit versunken sind. Durchgesetzt haben sich unter anderem die Produkte der deutschen Firma Adler, die 1898 ihre erste Schreibmaschine produzierte.

Schon im Alter von 14 Jahren widmet sich Johannes Meyer der neuen, bahnbrechenden Erfindung der Schreibmaschine und wird nach einer dreijährigen Ausbildung Büroangestellter. Johannes Meyer, der sowohl der englischen als auch der französischen Sprache mächtig ist, gibt in Paris eine Handelszeitschrift in Sachen Schreibmaschinen heraus und ist schließlich auch in London als Auslandskorrespondent tätig. Nach dem 1. Weltkrieg lebt Johannes Meyer im Schweizer St. Gallen, wo 1921 sein erstes Werk „Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte“ gedruckt wird.
ImageAlle weiteren Werke Meyers werden im Eigenverlag und zwar im „Verlag für Schreibmaschinenkunde Pappenheim“ gedruckt.
1922 kommt Johannes Meyer für immer nach Pappenheim wo er im sogenannten gräflichen Ziegelstadel wohnt, der wegen der Straßenführung Richtung Zimmern abgerissen wurde. Gedruckt wurden seine weltweit beachteten Beschreibungen für Büromaschinen bei der Pappenheimer Druckerei Lampmann, die in diesem Jahr ihr 100-jähriges Jubiläum feiern würde.
Da Meyer ein bescheidener Mensch war, der zurückgezogen lebte, arbeitete er unter dem Pseudonym „Ernst Martin“. Unter diesem Namen waren seine Schriften bei dem Fachleuten als „Der Martin“ bekannt und werden heute von den Sammlern als die „Bibel“ in Sachen Schriebmaschinengeschichte bezeichnet.

Dr. Richard Polt, Professor in der Philosophy an der Xavier University in Cincinnati, Ohio, USA und Herausgeber von ETCetera, die in der Welt sehr angesehene Amerikanische Zeitschrift über historische Schreibmaschinen, schreibt im Jahre 2008 in einem Artikel seiner Zeitschrift:
„Martin verkörpert die Geschichte der Schreibmaschine mit einer Komplettheit eines Nachschlagewerks und richtet seine Aufmerksamkeit nicht nur auf Details, sondern auch auf Unterschiede in den Modellen. Seine zahlreichen Illustrationen und Diagrammen nützen sogar Lesern, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind.“

Das Internationale Forum Historische Bürowelt (IFHB) will nun Johannes Meyer zu seinem 60. Todestag am 27.10.2009 in Pappenheim zu Ehren kommen lassen. Die Vereinigung besteht aus weltweit 300 Mitgliedern, die zu diesem Zweck in Pappenheim eine außerordentliche Mitgliederversammlung abhalten werden. Ihre Erlaucht Gräfin Ursula zu Pappenheim wird Schirmherrin dieser Veranstaltung sein bei der internationale Gäste Pappenheim besuchen werden. Zu ehren Johannes Meyer will das IFHB am Ort seines Wirkens, nämlich am Haus der ehemaligen Druckerei Lampmann, später Schreibwaren Daeschler, eine Gedenktafel anbringen lassen.
Darüber hinaus wird das Forum anlässlich des 25. Pappenheimer Michaelimarktes historische Schreib- und Büromaschinen, ähnlich wie bei „Kunst und Krempel“ begutachten, erklären und bewerten.
Derzeit sehen sie im Straßenmuseum Pappenheim eine Büromaschinenausstellung des IFHB und im kleinen Fenster eine Ausstellung von Schreib- Rechenmaschinen die von Pappenheimer Bürgern zur Verfügung gestellt wurden.


 
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