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Der Skribent - Aktuelles aus Pappenheim

Freitag
28.Jul 2017
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Jurakalkstein, ein begehrter Lebensraum PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Pappenheimer Skribent   
Mittwoch, 2. September 2009

ImageDen im Mai unterzeichneten erweiterten Umweltpakt zwischen den Naturschutzbehörden und der Steinindustrie der Landkreise Eichstätt und Weißenburg Gunzenhausen haben die Steinreichen5 bei einem Festakt auf dem Pappenheimer Marktplatz gefeiert.
Zahlreiche Ehrengäste aus den im Bund der Steinreichen zusammengeschlossenen Kommunen Langenaltheim, Mörnsheim, Pappenheim, Solnhofen und Treuchtlingen konnte Bürgermeister Uwe Sinn im Festzelt auf dem Pappenheimer Marktplatz begrüßen. Unter ihnen Größen der heimischen Steinindustrie genauso wie Vertreter der Banken und der Politik. Die Bürgermeister der Steinreichen5 waren vollständig anwesend und auch die Pappenheimer Stadträte waren in stattlicher Anzahl erschienen. ImageIhre Erlaucht, Ursula Gräfin zu Pappenheim und  Graf von und zu Egloffstein begrüßte der Gastgeber als gute Nachbarn des Rathauses.
Besonders freute sich der Rathauschef, dass die Bundestagsvizepräsidentin Dr. Susanne Kastner, der stellvertretende Regierungspräsident Eugen Ehmann und Landrat Franz Xaver Uhl gekommen waren. Auch Christa Naaß, die SPD-Landtagsabgeordnete und die SPD-Bundestagskandidatin  Helga Koch waren unter den politischen Ehrengästen.

Bevor Sinn auf den erweiterten Umweltpakt einging unterstrich er die Schlüsselstellung Pappenheims in Sachen Archaeopterix. Denn der Pappenheimer Landarzt und hobbymäßiger Paläontologe  Dr. Carl Häberlein war es, der vor gut 140 Jahren in Versteinerungen die erste Feder  des Urvogels entdeckt und erkannt hat. „Keine Archaeopterix-Sage kommt an Pappenheim vorbei“ betonte Sinn vor den rund 150 geladenen Gästen.
Eigentliches Thema des Festaktes jedoch war der am 5. Mai 2009  bei der Regierung von Mittelfranken unterzeichnete erweiterte Umweltpakt, der zum Schutz der felsbrütenden Vogelarten geschaffen wurde. Alle Seiten, die Steinindustrie, der Natur- und Artenschutzschutz und insbesondere die Felsbrüter wie der Uhu und der Wanderfalke profitieren von diesem Pakt. Im Grunde geht es darum, dass die Steinbrüche nach den Steinabbau nicht mehr im Rahmen von  Renaturierungsmaßnahmen aufgefüllt und wieder aufgeforstet oder sonst verdeckt werden. Stattdessen werden die Felswände belassen und bieten mit ihren Felsspalten, Aushöhlungen und Absätzen ein ideales Refugium für die Felsbrüter. Der Nutzen für die Steinindustrie wird durch ein Ökokonto deutlich, auf dem die Gesamtfläche des aufgelassenen Steinbruchs in Abstimmung mit der unteren Naturschutzbehörde der Landratsämter dem Steinbruchunternehmen gutgeschrieben. Legt das Steinbruchunternehmen selbst Hand an und schafft in den Steinwänden ein zusätzliches Angebot von Bruthöhlen und Brutbalkonen, so bringt das dem Unternehmen eine weitere Flächengutschrift. Derartige Flächengutschriften - und das ist die Gewinnsituation für die Steinindustrie -  kann in Genehmigungsverfahren neuer Steinabbauflächen als Ausgleichsfläche eingebracht werden.

ImageBis in das Jahr 1989 gehen die ersten Bemühungen des nun erfolgreich abgeschlossenen erweiterten Umweltpaktes zurück erinnert sich der Diplombiologe Adi Geyer, der zusammen mit seinem Partner Dr. Matthias Dolek und Anja Hager das ausgeklügelte Konzept, das allen Beteiligten nützt, erarbeitet hat. Die Steinbrüche dürfen nicht als Wunden in der Natur betrachtet werden. „Es ist wichtig, dass die Steinbrüche als regionaltypische Eigenheit positiv und mit Stolz angenommen und auch in Tourismuskonzepte eingebunden werden,“ erklärt der Diplombiologe. Der Jurakalkstein und die aus Steinquadern aufgeschichteten Stützwände sind ideale Brutstätten für den Uhu, der nach wie vor auf der roten Liste der bedrohten Vogelarten steht, betonte Frauke Lücke vom Landesbund für Vogelschutz in ihrem Referat. Der Vogel des Jahres 2005 wird durch seine imposante Erscheinung, und durch seine Brutstätten in den Kalksteinwänden der von Menschenhand geschaffener Steinbrüche zu einer Besonderheit. Denn wie die engagierte Vogelschützerin weiß, brüten im Einzugsgebiet der steinreichen Gemeinden 20 Paare in Steinbrüchen und nur 2 Paare in den Felsen der freien Natur. Das ist eine Besonderheit, denn bayernweit halten sich die natürlichen und die von Menschenhand geschaffenen Brutplätze die Waage. Obwohl es derzeit in Bayern rund 250 bis 300 Brutpaare gibt ist doch ein rückläufiger Bruterfolg zu beklagen. Zudem werden dem Landesbund für Vogelschutz jährlich 50 bis 60 getötete Uhus gemeldet, die durch Stromleitungen, Straßenverkehr und Mangel an Beutetieren umkommen. Deshalb sei es sehr wichtig die bestehenden Vorkommen zu schützen und zu erhalten. Der erweiterte Umweltpakt mit der Natursteinindustrie zum Schutz der Felsbrüter sei für dieses Vorhaben eine ideale Voraussetzung.
Schon im Jahre 2006 wurde zwischen dem Naturschutz und der hiesigen Steinindustrie in Sachen Apollofalter der erste Umweltpakt geschlossen, damals ging es darum die Steinschütten, den Abfall der Plattenkalkverarbeitung nicht mit Erdreich, sondern mit Magergestein zu bedecken. Dieser erste Umweltpakt hat sich bewährt betonte Dr. Eugen Ehmann Vizepräsident der Regierung von Mittelfranken in seiner Festrede. Deshalb sei er davon überzeugt, dass auch der erweiterte Umweltpakt gut funktionieren wird. Es habe sich gezeigt, dass es möglich ist, dass Industrie und Umweltschutz gemeinsam an einem Strang ziehen.

Bundestagsvizepräsidentin Dr. Susanne Kastner, beglückwünschte in ihrem Grußwort alle Beteiligten zu der großartigen Idee und Initiative einen Pakt zwischen Naturschutz und Steinindustrie zu schließen in dem es nur Gewinner gibt. Auch Dr. Birger Wolske, 1. Vorsitzender der Industrievereinigung Altmühltaler Kalksteine e. V. sprach von der Besonderheit, dass Naturschutz und Industrie für ihre Interessen einen gemeinsamen Weg gefunden haben und betonte in seiner Rede ebenfalls die „win – win- Perspektive“ für alle Beteiligten

Zum Schluss der Festvorträge konnten alle noch als Protagonisten, den Uhu mit Namen  Rufus betrachten, einen etwa drei Kilogramm schweren Uhu, der bis zu 4 Kilo Gewicht und eine Spannweite bis zu 1,80 m bekommen kann. Rufus ist ein Mitglied in der Greifvogelfamilie der mobilen Greifvogelschau des Falkners Wolfgang Schreyer, der viel interessantes zu seinen Schützlingen erklären konnte.

 
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