Passwort vergessen?
  • Narrow screen resolution
  • Wide screen resolution
  • Auto width resolution
  • Increase font size
  • Decrease font size
  • Default font size
Einstellungen

Der Skribent - Aktuelles aus Pappenheim

Samstag
19.Aug 2017
Wenn Hofurkunden erzählen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Pappenheimer Skribent   
Mittwoch, 8. April 2009

ImageInteressante Einblicke in das dörfliche Leben und die Rechtsbeziehungen des 18. und 19. Jahrhunderts gab es beim historischen Stammtisch des Heimat- und Geschichtsvereins in Osterdorf. Hans Navratil und Friedrich Obernöder zitierten und erklärten aus Hofurkunden.
ImageDer historische Stammtisch des Heimat- und Geschichtsvereins Pappenheim und Ortsteile e.V. hatte diesmal ganz besonderes zu bieten. Die alten Hofurkunden aus dem Hause des 2. Vereinsvorsitzenden Friedrich Obernöder waren Thema des Abends. Schon lange hatte sich  Friedrich Obernöder für diese Urkunden interessiert. „Aber lesen habe ich sie nicht können“ erklärte er den rund 50 interessierten Zuhörern.  Einige Worte und Überschriften wie zum Beispiel „Extract“ konnte er zwar entziffern aber den Inhalt der Urkunden nicht. In sichere Verwahrung hatte er die wertvollen Dokumente beim Neubau seines Hauses gegeben.
Als er die Urkunden zurückholte wollte er, bevor die Dokumente wieder in der legendären Schublade verschwinden, endlich wissen, was dort zu lesen steht und so gab er sie dem Pappenheimer Archivar Hans Navratil. Als erfahrener Spezialist für alte Schriften und Kenner der Zusammenhänge in Alter Zeit hat Hans Navratil die Urkunden mit seiner Schreibmaschine abgetippt. „Und jetzt kann ich die Urkunden auch lesen“ freute sich Friedrich Obernöder.

Von Verkäufen, Hofübergaben, Adoptionen, Heiraten, Erbschaften und Verkäufen las Friedrich Obernöder aus den Urkunden seines Hofes aus der Zeit von 1939 bis 1856 vor und Hans Navratil konnte immer wieder interessante Erklärungen zu den Verhältnissen der damaligen Zeit geben. So wusste er zu berichten, dass es vor 1806 auf den Dörfern keine Hausnummern gab und die Zuordnung der Häuser mit Hausnamen geregelt war. Auch die komplizierten Eigentumsverhältnisse in den Grafendörfern des 18. Jahrhunderts konnte Navratil verständlich machen. So hatten die Bauern in den Dörfern ihre Höfe einerseits von der Grafschaft als Lehen übereignet bekommen mussten aber bei Verkaufsabsicht und auch vor einer Übergabe den „gnädigen Herren“ um Erlaubnis fragen.

ImageAuch Gegenstände und Begriffe, die man heute kaum noch kennt kamen bei dem Vortrag Obernöders immer wider zur Sprache so konnten die Zuhörer unter anderem erfahren, dass ein Helmstuhl ein sogenannter Schnitzbock war und dass ein Spanblock ein Block aus Föhrenholz war, von dem der Kienspan abgeschnitzt wurde, den man entzündet und als Beleuchtung verwendet hat. Auch vom Spanrecht in der Osterdorfer Kirche war die Rede. Demnach hatte jede Familie im Jahreslauf für die Beleuchtung der Kirche eine bestimmte Anzahl von Kienspänen zu liefern. Erst in den fünfziger Jahren ist dieses Recht gegen Bezahlung abgelöst worden.
Als es dann zu den Urkunden des 19. Jahrhunderts ging tauchten auch Namen auf, die den man noch kannte und so mancher Osterdorfer konnte sein Wissen in die Interpretation der Urkundentexte einbringen, die auch interessante Bezüge nach Pappenheim herstellen konnten.

Renate Prusakow, die 1. Vorsitzende des Heimat und Geschichtsvereins bedankte sich bei Friedrich Obernöder und Hans Navratil für die interessante Gestaltung des Abends und wies auf die Neuauflage des von Hans Navratil gestalteten Buches „Pappenheim in alten Ansichten“ hin, das im Straßenmuseum Pappenheim, bei Schreibwaren Windisch und im Fremdenverkehrsbüro erworben werden kann.

 
< zurück   weiter >
Advertisement